PCOS Awareness Month – Was du über das Polyzystische Ovarialsyndrom wissen solltest
Der September steht ganz im Zeichen von PCOS Awareness. PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter – und dennoch gibt es bis heute viele Missverständnisse, Fehldiagnosen und kaum Grundlagenforschung.
In diesem Artikel erfährst du, was PCOS eigentlich ist, wie es diagnostiziert wird, welche Symptome typisch sind und welche Therapieansätze es gibt.
Was ist PCOS überhaupt?
PCOS ist kein klar definiertes Krankheitsbild, sondern ein Syndrom – also das Zusammenspiel verschiedener Symptome. Betroffen sind etwa 5–12 % der Frauen, wobei vor allem junge Frauen die Diagnose erhalten.
Typische Merkmale:
- vergrößerte Eierstöcke mit vielen kleinen Zysten (polyzystisch)
- Überproduktion männlicher Hormone (Hyperandrogenismus)
- Zyklusstörungen, z. B. seltene oder ausbleibende Eisprünge
- oft verknüpft mit Insulinresistenz
Langfristig erhöht PCOS das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Gebärmutterkrebs.
PCOS und Fehldiagnosen
Ein großes Problem: Die Diagnose PCOS wird häufig vorschnell und falsch gestellt. Studien zeigen, dass maximal 50 % der Frauen mit Diagnose PCOS es tatsächlich haben. Viele erhalten noch nicht einmal eine vernünftige Diagnostik, bevor ihnen das Label „PCOS“ in sehr jungem Alter gegeben wird – oft dann, wenn die Eizellreifung noch gar nicht ausgereift ist oder direkt nach dem Absetzen der Pille.
Wichtig zu wissen: Die Pille reguliert nicht, sondern unterdrückt den Zyklus. Nach dem Absetzen muss der Körper diese Entwicklung nachholen, was leicht zu Fehldiagnosen führen kann.
Die Diagnose – ein Indizienprozess
Eine echte PCOS-Diagnose sollte immer als Ausschlussdiagnose verstanden werden. Das bedeutet: Zunächst muss geklärt werden, ob nicht andere Ursachen hinter den Symptomen stecken, zum Beispiel:
- Schilddrüsenstörungen (TSH prüfen)
- Mikronährstoffmängel (z. B. Zink, Selen)
- erhöhter Prolaktinspiegel
- Untergewicht oder Athletes Triad
- Adrenogenitales Syndrom (AGS)
- Stressamenorrhoe
- On-Off-Pilleneinnahme
Für die eigentliche Diagnose gelten die Rotterdam-Kriterien: mindestens 2 von 3 Merkmalen müssen vorliegen:
- Hyperandrogenismus
- fehlender Eisprung
- polyzystische Eierstöcke im Ultraschall
Nur ein auffälliger Ultraschall reicht nicht! Genau das führt zu vielen Fehldiagnosen.
Labordiagnostik – sinnvoll, aber oft schwierig
Eine umfassende Labordiagnostik ist sinnvoll, um die Ursachen klar einzugrenzen. Leider scheitert das in der Kassenmedizin oft an den begrenzten Laborbudgets. Wer Klarheit will, sollte überlegen, Untersuchungen ggf. als IGeL-Leistung selbst zu zahlen.
Wichtige Basiswerte: LH, FSH, freies Testosteron, SHBG, Insulin + Blutzucker.
Ergänzend: AMH, Estradiol, DHEA-S, TSH, Prolaktin, 17-α-OH-Progesteron u. a.
PCOS und Insulinresistenz
Sehr häufig geht PCOS mit einer Insulinresistenz einher. Ein hoher Insulinspiegel verstärkt die Ausschüttung männlicher Hormone – ein Teufelskreis für Stoffwechsel und Zyklus.
Hier ist Lifestyle entscheidend:
- regelmäßige Bewegung (schon 2–3x pro Woche 30 Minuten helfen)
- moderate Gewichtsabnahme von 5–10 % (aber nicht radikal!)
- ausgewogene Ernährung statt Crash-Diäten
- Stressmanagement
Konventionelle Therapie – Not so hot
Die gängigen Therapien wie Pille, Metformin, Letrozol oder Myo-Inositol können Symptome lindern, haben aber ihre Grenzen:
- Die Pille unterdrückt nur den Zyklus, reguliert ihn nicht.
- Metformin kann Magen-Darm-Beschwerden auslösen und Vitamin B12-Mängel verstärken.
- Letrozol und Inositol können im Kinderwunsch hilfreich sein, sind aber keine alleinige Lösung.
Bessere Wege: Lifestyle first
Die Basis jeder Behandlung sollte eine gesunde Lebensweise sein:
- ausgewogene Ernährung
- regelmäßige Bewegung & Krafttraining
- Stress reduzieren
- ggf. moderater Gewichtsverlust
- Zyklusbeobachtung mit NFP, um Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen
Ganz wichtig: Jede Frau mit PCOS kann Kinder bekommen. Manchmal braucht es etwas mehr Geduld, Wissen und Unterstützung – aber es ist möglich.
Fazit
PCOS ist komplex, individuell und wird häufig falsch verstanden. Statt vorschnell zu diagnostizieren und direkt die Pille zu verschreiben, braucht es:
- eine gründliche Labordiagnostik
- eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährung, Bewegung und Stress
- Geduld und Selbstwirksamkeit
Der beste Weg: Labordiagnostik, Ernährungsumstellung, Bewegung, Stress rausnehmen, NFP – und Geduld.